Special
Jan Delay in Freiburg
Mit viel Sinn für funky Rave, stilsicheren Outfits und geballter Partyenergie präsentierte sich die elfköpfige Band Disko No. 1 rund um ihren Diskokönig Jan Delay in der Freiburger Rothausarena. Mit dabei: Der Hamburger Rapper Das Bo, der mit Hits wie „’türlich, ’türlich (sicher, Digger)“ Richtung Hauptact des Abends rappen durfte.
Mit der Hamburger HipHop-Formation Absolute Beginner triumphierte er in den
späten 90er Jahren die Rapszene, heute zieht er als Soul- und Ravemeister
noch erfolgreicher solo durch die Lande: Jan Delay. Satte eineinhalb Jahre soll
sich der Künstler zusammen mit seiner Band Disko No. 1 und Co-Produzent
Kaspar „Tropf“ Wiens im Verschlag des Studios eingesperrt haben,
um an dem neuen und mittlerweile schon dritten Soloalbum zu feilen. Nachdem
bereits das letzte Album „Mercedes Dance“ (2006) ganz unter dem
Motto „Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran“ stand, sollte sich „Wir
Kinder vom Bahnhof Soul“ dieser Devise anschließen - Erfolgreich,
wie Fans bestätigten, indem sie die Platte in Windeseile auf Platz 1 der
Albencharts schnellen ließen. So viel Triumph muss natürlich gefeiert
werden. Und da es alleine so wenig Spaß macht, plant man eine große
Tour und zelebriert das neue Platz Eins Album zusammen mit all jenen, die es
zu eben dem gemacht haben: mit treuen Jan Delay-Fans und Freunden des ausgefallenen
Diskosounds. Die große Jan Delay Tour 2009/2010 führt von Österreich
bis nach Deutschland. Von Wien bis nach Hamburg. Nicht ausgelassen werden darf
da der Stopp in der Freiburger Rothausarena, in der sich süddeutsche Fans
aller Altersklassen am 19. Oktober einer fulminanten Bühnenshow voller
Diskogenuss hingeben durften.
Zügig und typisch für Jan Delay, näselt sich der Diskokönig in Freiburg durch die großen ebenso wie durch die etwas kleineren Hits des neuen Albums. Dabei versteht man ihn nicht immer – muss und soll man wohl aber auch nicht. Die bekannten Songs sind den Fans ohnehin so gut im Ohr, dass sie sie auch ohne nennenswerte Unterstützung mitsingen. Solange der Sound stimmt, sieht man über diese kleine Delay-Schwäche auch gerne hinweg. Und der Sound, der stimmt: Ausgefallener Funk wechselt sich ab mit groovigem Rave, HipHop-Einlagen mit Soulgesang. Der Klang von Jan Delay und seiner Disko No. 1 generiert sich wie immer aus mehreren Stilrichtungen und lässt den Funken schnell überspringen. Ebenso wie der Klang, präsentiert sich auch die Songauswahl als bunter Mix und einfallsreicher Querschnitt durch die Musikgeschichte der vergangenen Jahre. Nach kurzer Warmlaufphase singt, tobt und tanzt das Publikum nicht nur zu den großen Hits von Jan Delay selbst, sondern auch zu Songs der Kollegen. Diese mixt Delay wie immer gekonnt, versieht sie mit seinem eigenen Stil und lässt sie zu einem maßgeblichen Teil der ausgereiften Performance werden. Während die kurze Backstreet Boys-Einlage - à la „Backstreets back, alright“ - da eher als augenzwinkerndes Statement zu dem erst kürzlich veröffentlichten Album der ehemals beliebten Boyband anmutet, erscheint der „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“-Remix am Schluss des Konzertes hingegen als ehrwürdige Hommage an den erfolgreichen Deichkind-Sound.
Auch mit den eigenen Songs schafft es der Hamburger Künstler zu Hochform aufzulaufen und das Publikum dabei gekonnt mitzureißen. Delay treibt das Konzert von einem Höhepunkt zum Nächsten, von „Feuer“ bis zu „Oh Jonny“. Als Zwischenstationen fungieren Songs wie „Showgeschäft“, „Disko“ und „Large“, die vom Publikum überraschenderweise fast ebenso intensiv zelebriert werden wie die großen Nummer-Eins-Hits. Abwechslungsreich gestaltet sich das Konzert auch durch einige interaktive Einlagen, bei denen das Publikum zum Mitmachen aufgefordert wird. So kreisen bei „Oh Jonny“ sämtliche Jacken und Schals über den Köpfen der begeisterten Zuhörer, während zu MC Hammers „U can’t Touch this“ das ebenso bekannte wie immer wieder amüsante Freeze-Spiel inszeniert wird. Zur Freude aller Anwesenden folgte als Abschlussschmankerl noch der ersehnte Dauerbrenner „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, mit dem Delay 1999 seinen Durchbruch als Solokünstler feierte und mit dem das zufriedene und glücklich aussehende Freiburger Publikum nach knappen zwei Stunden wieder Richtung Heimat entlassen wurde. Schön war´s, Mr. Delay: We Love Disko!
Kathrin LangMusicsection.de
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