"Besondere Musiker verdienen besondere Aufmerksamkeit!"

Unter diesem Motto startet Musicsection.de, gemeinsam mit seinen Schwesterseiten Moviesection.de und Booksection.de, seine Reihe besonderer Specials.

Unsere sogenannten „Portrait-Specials“ sollen nicht nur plumpe PR eines Künstlers sein, sondern unsere Besucher umfassend und interessant informieren.

Im Sommer 2010 im Blickpunkt: Die deutsche Ausnahmeband Bonaparte, die mit vielen unterschiedlichen Musikern große Erfolge feiert.


Interview:

"Die Band Bonaparte hat eigentlich kein Zuhause."

Musicsection.de: Tobias, du hast die Schweiz verlassen um in Berlin zu leben. Hast du manchmal Sehnsucht nach der Heimat?
Tobias (Frontmann): Ich glaube, dass man diese Frage jedem Bandmitglied stellen könnte. Keiner von uns ist in Berlin geboren oder aufgewachsen. Wir kamen alle von irgendeinem anderen Ort auf dieser Welt und sind letztlich in Berlin gestrandet. Ich glaube, dass es auch nicht unbedingt Berlin hätte sein müssen. Das Schöne an Berlin ist aber, dass dort noch immer gewisse Freiräume bestehen und viele Leute dahin ziehen, um etwas Künstlerisches auf die Beine zu stellen.
Carlos (Bassist): Es ist kein Zufall, dass sich Bonaparte gerade in Berlin gefunden hat. Keiner ist wegen Bonaparte nach Berlin gezogen, aber alle sind nach Berlin gezogen, weil man die Hoffnung hatte dort etwas Spannendes, Interessantes und Schönes machen zu können.

Musicsection.de: Dient die Stadt als Inspirationsquelle für euer künstlerisches Schaffen?
Carlos: Ich weiß nicht, ob Berlin selbst die Inspirationsquelle ist. Ich würde sagen, dass es die Leute sind, die dort leben.
Tobias: Ich glaube, dass die Freiräume, die die Stadt bietet, inspirierend sind. Die ersten Songs von Bonaparte sind allerdings lange bevor ich überhaupt einen Fuß auf Berliner Boden gesetzt habe entstanden. Die Musik selbst hätte auch ohne die Stadt entstehen können, aber ohne Berlin hätte sie vermutlich nicht diese Energie bekommen. Das Leben, das diese Songs bekamen und die Leute, die heute live auf der Bühne spielen und performen – das ist Berlin!
Carlos: In Berlin kann man sich viel trauen, ohne gleich merkwürdige Blicke zu ernten. Die Leute lassen sich viel mehr auf neue Sachen ein.

Musicsection.de: Was bedeutet es, wenn man dann wieder auf heimischem Boden spielen und performen darf – wie heute in St. Gallen?
Carlos: Für mich hat Bonaparte eine starke Bindung zur Schweiz. Viel von dem wie Bonaparte entstanden ist, hat seine Wurzeln in der Schweiz. Die Kultur hat einen starken Einfluss genommen.
Tobias: Es kann verschiedenes bedeuten. Wir hatten in der Schweiz immer gute Gigs, aber wir wurden hier öffentlich nie so richtig wahrgenommen. Heute spielen wir um vier Uhr Nachmittags auf einer kleinen Bühne. In Deutschland würden sie das Zelt in Fetzen reißen. Ich glaube, dass die Veranstalter sogar denken, dass wir eine Band aus Bern sind. (lacht) Irgendwie ist das lustig. Dennoch freue ich mich natürlich heute hier spielen zu dürfen. Für mich persönlich, abgesehen von Bonaparte, ist die Schweiz natürlich die Heimat. Das ist auch etwas sehr Schönes, denn dieses Gefühl hatte ich vor ein paar Jahren noch nicht. Ich glaube, dass dieses gesunde Gefühl für die Heimat auch erst durch die Fremde entstehen kann. Für die Band Bonaparte ist die Schweiz im Grunde aber nur ein Land. Ob nun in Holland, in der Schweiz oder in Neuseeland – das macht keinen Unterschied. Die Band Bonaparte hat eigentlich kein Zuhause. Das ist ja auch das Schöne: Wir kommen alle von wo anders und werden auch alle wieder wo anders hingehen.

Musicsection.de: Sich als Weltbürger und Weltband zu sehen – ist das ein Verständnis, das Bonaparte von sich hat?
Tobias: Man muss unterscheiden: Unter den Bandmitgliedern hat jeder eine andere und ganz individuelle Vorstellung davon, wo Heimat ist und was diese ausmacht. Das Ensemble setzt sich aber natürlich aus vielen Nationen zusammen – und erst dann ist man Bonaparte.
Carlos: Viele aus der Band haben ihre Heimat verlassen, um das zu machen, was wir heute machen. Der Ort selber ist dabei eben nicht bestimmend.

Musicsection.de: In den Medien werdet ihr häufig als Party-, Zirkus- und Spaßband rezipiert. Fühlt ihr euch wohl mit dieser Zuschreibung?
Tobias: Auf der Bühne sind wir, im Vergleich zu sonst, fast schon angenehm (lacht). Ich habe mit dieser Zuschreibung kein Problem. Für mich persönlich ist die Angelegenheit natürlich schon ganzheitlicher, sonst wäre mir nicht wohl dabei. Aber wenn jemand in Bonaparte nur eine Feierband sehen will, dann ist das für mich okay. Und wenn der Nächste die Texte analysiert und dafür nicht mitfeiert, dann ist das genauso okay. Es kommt immer darauf an, wer auf welchem Sinn ansprechbar ist. Ich hätte nur ein Problem, wenn uns die ganze Welt in eine Ecke drängen würde und alle anderen Aspekte unbeachtet blieben.

Musicsection.de: Welche Ansprüche stellt ihr an euch selbst?
Tobias: Ich habe verschiedene Ansprüche. Beim Texte schreiben geht es um was ganz anderes, als beim Feiern. Bei Auftritten suche ich nach physischen Grenzen. An mein Leben habe ich den Anspruch, es in vollen Zügen zu genießen. Ich will alles genießen – nicht nur ein bisschen etwas. Ich glaube, dass das auch in Bonaparte einfließt.

Musicsection.de: Die verrückte Bühnenshow ist ein Markenzeichen von Bonaparte. Wie stark nehmt ihr die Verknüpfung von Musik und Show für euer Schaffen wahr?
Carlos: Eigentlich ist die ausgefallene Bühnenshow nur ein Nebenprodukt. Wir wollten die Musik im Vordergrund haben. Irgendwie ist es dann aber passiert und wir konnten das Partyding nicht mehr ablegen. Allerdings hat sich keiner von uns einen Plan gemacht. Die Show an sich ist auch bis heute überhaupt nicht durchkonzipiert. Kein Bandmitglied muss mit dem linken Fuß zuerst die Bühne betreten, um dann das Kreuzchen zu suchen. Früher habe ich das mit anderen Bands versucht und habe mich anschließend gewundert, warum das alles so steif wirkt. (lacht)
Tobias: In dem Umfeld, in das dieses Projekt geraten ist um in Berlin Wurzeln zu fassen, war Feiern schon wichtig. Man kann es aber nicht nur auf „sex, drugs & rock´n´roll“ runterbrechen. Ich habe einen breiteren Anspruch – irgendwo schließt das eine, das andere aber auch nicht aus. Immerhin leben wir im Jahr 2010 und es nicht mehr so, dass man nur noch in eine Richtung denkt. Wir dürfen so und so sein. Wir dürfen morgens, mittags und abends drei verschiedene Extreme zutage fördern. So einseitig soll der Mensch heute nicht mehr sein.

Musicsection.de: Fließen diese verschiedenen Extreme auch in die Musik und die Texte mit ein?
Tobias: Ich denke schon. Manchmal habe ich selbst noch nicht mal ganz herausgefunden, was ich da eigentlich produziert habe.

Musicsection.de: Was ist euch bei der Show wichtig?
Tobias: Man muss sich in der Show an einen Punkt bringen, an dem man sich fallen lassen kann und an dem man von ganz alleine die Dinge tut, die sich richtig anfühlen. Das Schlimmste ist, wenn man sich im Kopf mit Abläufen blockiert, nur weil sie ‚part of the show‘ sind. Für mich ist es aber auch okay, wenn es Elemente gibt, die sich wiederholen. Je größer die Crew ist, desto schwieriger kann ich die Show zum Beispiel spontan total umstellen. Ganz aus Versehen mache ich das aber manchmal immer noch, weil ich gerade keine Lust auf den nächsten Song habe. (schmunzelt) Im Grunde tötet eine feste Struktur aber die ganze Show ab.
Carlos: Manchmal tanzen auch Leute bei uns auf der Bühne, die wir gar nicht kennen.
Tobias: Früher haben wir das viel häufiger gemacht. Da hatten wir jeden Abend andere Leute mit dabei.

Musicsection.de: Habt ihr beim Schreiben der Texte auch für jeden ein offenes Ohr oder sind die Strukturen da klarer vorgeschrieben?
Carlos: Ich gebe Tobias häufig Textideen, aber irgendwie kommen die nie irgendwo an. (lacht)
Tobias: Ich finde, dass das Schreiben von guten Songs sehr schwierig ist. Selten gibt es einen richtig guten Text. Bands, die gute Texte haben, sind aber immer toll. Deshalb nehme ich mir für das Schreiben viel Zeit. Ich hoffe, dass ich irgendwann ein einigermaßen guter Texter sein kann. Vielleicht gelingt es mir sogar irgendwann einmal, diesen einen guten Song zu schreiben. Im Grunde bin also schon ich für das Schreiben verantwortlich. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn der Prozess des Schreibens ein Kollektivprozess wird. Aber es darf nicht das Dogma sein.

Musicsection.de: Bonaparte: Eine Band oder ein Künstler?
Tobias: Am Anfang habe ich Bonaparte alleine gemacht – mit einem Laptop und einer Gitarre. Da habe ich die gleichen Songs gespielt. Für mich ist es aber schön, dass Bonaparte heute eine Band ist und dass dadurch viele verschiedene Elemente zusammenwirken können. Ich hätte aber kein Problem damit, wenn jeder von uns seine eigene Platte rausbringen würde. Im Plattenstudio ist Bonaparte im Grunde auch ‚mein Mist‘. Da ziehe ich mich zurück, um die Essenz für neue Songs zu finden. Erst später wird das live mit allen anderen umgesetzt. Bonaparte ist eigentlich beides: Sowohl eine Band, als auch ein Soloprojekt.


Biographie:

„You can say we are from germany, france, america, switzerland, panama, mexico, new zealand, austria, sweden, poland & brazil but we sound like something else”, ist auf der Homepage von Bonaparte zu lesen und gibt gleich reichhaltigen Aufschluss über eine Band, deren Abstammung genauso kunterbunt ist wie die Sound, den sie generieren. Aus welchen Ecken dieser Welt die Band stammt, aus welchen Nationen sie sich zusammensetzt, ist ein kleines Rätsel - oder auch eine spannende Bandgeschichte. Diese lässt sich für Außenstehende allerdings nur bedingt gut nachvollziehen. Fragt man Frontmann und Texter Tobias Jundt, so erzählt er, dass er Bonaparte am Anfang alleine gemacht hat. Mit einer Gitarre und einem Laptop bestückt, hat er Songs geschrieben, sie mit Musik hinterlegt, sie gesungen und aufgeführt. Erst später kamen weitere Mitglieder dazu – bis sich, irgendwann im Jahr 2006, eine Band zusammengefunden hatte. Getroffen hatte man sich im spanischen Barcelona, um von dort aus die Bühnen rundum den Globus zu erobern. Heute lebt und werkelt Bonaparte in Berlin – einer Stadt, die der ausgefallenen Band den Nährboden für noch ausgefallenere Ideen liefert.

Obwohl Bonaparte schon lange die ersten Songs im Petto hatte, dauerte es seine Zeit, bis die erste offizielle Platte auf den Markt kam. Was lange währte, wurde im Jahr 2008 allerdings endlich gut, als Bonapartes erstes Album „Too much“ veröffentlicht wurde. Neben gefeierten Singles wie „Too much“ und „Anti, anti“, tummeln sich noch weitere zwölf Songs auf der Platte. Experimentelle Rocktöne wechseln sich mit tanzbaren Elektrosounds und höckerigen Gitarrenriffs ab. Dazwischen Tobias Jundts Sprechgesang, der mal fragmentarisch von „party chicks“ und dem „playboy“ erzählt, mal von Menschen berichtet, die Limousine fahren, während andere das Fahrrad benutzen. Wer nach den vierzehn abwechslungsreichen Songs glaubt, Bonaparte verstanden zu haben, darf sich spätestens nach dem ersten hautnah erlebten Bonaparte-Konzert eines Besseren belehren lassen. Live on stage wandelt sich die x-köpfige Band zu einem wilden Partyzirkus – ein Spektakel, das aus Bonaparte ein Unikat und ein Erlebnis werden lässt. Zentrum der Show bildet Zirkusdirektor Tobias Jundt - gut und gerne im Kaiser Napoleon-Kostüm mit Anlehnung an den Bandnamen und vielleicht auch an seine Körpergröße - um ihn herum tummeln sich gestreifte Keyboarder, Drummer mit Wuschellöwenmähne und allerlei anderes Getier. Zwischen dem verkleideten Musikerensemble tanzen frivole Mädchen in knappen Röcken, Skelette, Mumien, Hasen und, von Show zu Show variierend, gerne noch mehr Kuriositäten, die die Sinnesreize der Zuschauer erstaunlich in Anspruch nehmen. Mit der Besetzung des Tänzerensembles nimmt es Bonaparte nicht so streng. Wer wann, wo und wieso auf der Bühne steht, ist in keinem Gesetzbuch verankert. Fernab aller Konstruktionen kann es daher durchaus passieren, dass ganz spontan, wenige Minuten vor Showbeginn, noch ein neuer Tänzer mit ins Boot geholt wird. „So hab ich schon wahre Talente entdeckt“, ist Zirkusmeister Jundt überzeugt. Mit der unverwechselbaren Show, so viel steht auf jeden Fall fest, erfährt Bonaparte seine Komplettierung – eine Freude für Ohr, Auge und Partygebein.


Discographie:

Too much

2008

„Do you want to party ?” ist nicht nur der erste Song ihres ersten Albums, sondern hat sich mittlerweile auch als Opener bei etwaigen Bonaparte-Konzerten fest etabliert. Die Antwort ist dabei genauso obligatorisch wie die Frage selbst: „Yes, of course!“ Wer das Album der Band einmal gehört hat, erkennt gleich deren überaus kreatives Potential. „Too much“ hält jede Menge Spaß- und Partylieder bereit, die durch pointierte Textpassagen jedoch immer wieder aufhorchen lassen. Aus allen Winkeln wird gefeuert; nicht nur auf musikalischer, sondern auch auf textlicher Ebene. Die Kombination von sorglosem Spaßhaben auf der einen und subtile Kritik auf der anderen Seite, wird von Bonaparte in einer Form gemeistert, die es derart originell nur selten zu erleben gab.... zur kompletten CD-Seite


My Horse Likes You

2010

Zwei Jahre hat es gedauert, bis das Zirkusensemble rundum ihren Kaiser Bonaparte ihr zweites Album der gierigen Meute zum Fraß vorwarfen. Mit „My Horse Likes You“ schlägt die Band ähnliche Wege ein, wie bereits mit ihrem Erstlingswerk „Too much“ (2008). Erneut präsentiert sich Frontmann Tobias Jundt von musikalisch origineller Seite – mixt seinen Sprechgesang mal mit elektronischen, mal mit klassischen, mal mit folkloristischen Sounds. Dazwischen finden sich gut und gerne höckerige Gitarrenriffs, die Rockklänge erkennen, manchmal auch nur vermuten lassen. Im Gegensatz zu „Too much“ fehlen „My Horse Likes You“ weitgehend die großen Hits, die adäquaten Hymnen – à la „Anti, anti“ oder „Too much“. Als eines der wenigen Partyhighlight zeigt sich „Computer In Love“, das durchaus Potential zu ähnlichem großem Werdegang hat wie bereits genannte ‚Kracher‘ von 2008.... zur kompletten CD-Seite



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