Es wird Geburtstag gefeiert – mit Rage Against The Machine, Rammstein, Kiss und Muse!
Eines der größten Festivals Deutschlands kann nunmehr auf stolze 15 Jahre Festivalgeschichte zurückblicken. Für den Veranstalter von Rock im Park 2010 Grund genug im Jubiläumsjahr noch eins oben drauf zusetzten und mit einem fantastischen Line-Up aufzuwarten. Die große Festival-Geburtstagsparty stieg mit Rage Against the Machine, Rammstein, Kiss und Muse. Zwischen den Headlinern tummelten sich weitere vielversprechende Acts. Bei der großen Geburtstagsparty durften zudem HIM, The Hives, Kasabian, Jay-Z, Slash, Gossip und viele weitere große Bands und fantastische Künstler mitfeiern.
Rock im Park in Zahlen
Fasst man Rock im Park 2010 in Zahlen, formt sich ein beeindruckendes Bild: Über 80 Bands spielten an vier Tagen auf drei Bühnen für 65.000 Zuschauer. Um ein solches Programm zu stemmen benötigt es 1500 Helfer auf den Bühnen, rund 700 Securities, 300 Einsatzkräfte der Polizei und 1200 medizinische Versorger. Dazwischen liegen 134km Lichtkabel, 82km Tonkabel und eine Stromversorgung mit der man problemlos eine Kleinstadt beliefern könnte. Festival bedeutet eben Ausnahmezustand. Doch nur wer tatsächlich dabei war, konnte diese Zahlen auch spüren. Die Rock im Park Geburtstagsparty brachte elektrisierende Konzerte, wilde Partys und eine rundum ausgelassene Stimmung hervor – ein tolles Gefühl für jeden, der dabei war und eine absolute Wohlfühlatmosphäre, die nicht zuletzt durch das fantastische Wetter bedingt wurde.
Rundum das Line-Up
Die Tore noch lange versperrt, schlugen ganz hartgesottene Festivalgänger bereits einige Tage vor der eigentlichen Eröffnungen ihre Zelte vor den Absperrungen auf. Die ersten Festivalbesucher wurden bereits am Montag gesichtet. Doch da lagen der eigentliche Festivalwahnsinn und das anarchistische Treiben auf den offiziellen Zeltplätzen noch weit entfernt. Die Campinggelände rundum das Zeppelinfeld öffneten am Donnerstag um 8 Uhr ihre Pforten, um schließlich von den rund 60.000 Dauercampern gestürmt zu werden. Diese ließen in gewohnter Festivalsitte die gemütliche Idylle rundum den Dutzenteich in Nürnberg schnell hinter sich und verwandelten die eigentlich herrlichschönen Zeltflächen im Handumdrehen in ein vermülltes und stinkendes Gelände. Doch das gehört dazu und stört zudem auch niemanden so wirklich. Immerhin gibt es unter den vielen Tausend Festivalgängern immer wieder welche, die nur kommen um ihrer anarchistischen Veranlagung nach Lust und Laune freien Lauf lassen zu können. Dafür verlief Rock im Park 2010 allerdings erschreckend friedlich. Dies dürfte nicht der Eindruck aller Festivalbesucher sein, sondern wurde auch von Vertretern der Polizei sowie der Rettungskräfte bestätigt. Am Sonntag konnte stolz auf einen ruhigen und friedlichen Verlauf des Festivals zurückgeblickt werden.
Das Geburtstags-Line-Up
Dafür, dass beim Festivalvolk keine Langeweile aufkommt, die zu all zu dummen Gedanken verleitet, sorgte schließlich auch das starke Line-Up. Wer tatsächlich wegen der Musik angereist ist, war über die vier Tage ordentlich beschäftigt. Der Jubiläums-Spielplan war dicht gefüllt mit fantastischen Acts. Immer wieder hätte man sich gerne in zwei geteilt, um ständig und überall dabei sein zu können. Nicht immer fiel die Entscheidung leicht: Rammstein oder doch lieber The Hives und HIM? Häufig standen die Festivalbesucher vor solch kniffligen Entscheidungen. Rast und Ruhe wurde den Besuchern meist erst spät nachts gegönnt. Doch so muss das sein, nur so lohnt sich das nicht gerade günstige Viertagesticket.
Die Headliner
„15 Jahre Rock im Park!“ war für die Veranstalter Grund genug um in diesem speziellen Jahr bereits ein Tag früher loszurocken und ihre Festivalbesucher schon am Donnerstagabend mit einem großen Auftritt von Rage Against The Machine auf dem Zeppelinfeld willkommen zu heißen. Obwohl die Rockband tief aus den 1990ern stammt und ihre Erfolgswurzeln auch dort fest verankert hat, konnten die Rocker aus Kalifornien problemlos selbst das junge Festivalpublikum zum ausgelassenen Mitrocken animieren. Die Erfolgssingle „Killing in the Name“ von 1993 gilt unter Rockfans bis heute als unvergänglicher Klassiker und wurde im Park dementsprechend groß gewürdigt. Das Line-Up am Freitag knüpfte mühelos an den von Rage Against The Machine gesetzten Standart an. Der erwartungsvollste Auftritt wurde von der deutschen Ausnahmeband Rammstein auf der Centerstage absolviert. 2006 mit einer Schaffens- und Live-Auftrittspause ihre Fans schockiert, kehren die polarisierenden, aber dennoch gefeierten Musiker 2010 mit neuem Album auf die Festivalbühnen zurück. Für die Veranstalter von Rock im Park Grund genug um sofort zu reagieren und die unschlagbare Rockband auch auf ihre Bühne zu zitieren. Der Auftritt von Rammstein stellte sich als einer der begehrtesten des gesamten Festivals heraus und sorgte sogleich für die besten Umsatzzahlen am Tageskartenschalter. Letztlich wurde das Konzert von tausenden hartgesottenen Fans auch hartgesotten zelebriert. Wer inmitten der wild pogenden Menge um sein Leben bangte, konnte von gemütlicheren Plätzen am Rande auf eine gewohnt ausgefallene Bühnenshow blicken. Hell leuchtende Raketen sausten über die Köpfe des Festivalvolkes, Feuerfontänen schossen in die Höhe, es blitzte und donnerte an allen Ecken der Centerstage. Rammstein live und zudem open air stellte sich als überaus sehens- und natürlich auch hörenswertes Konzert heraus, das für etliche Festivalgänger gewiss bereits das hohe Eintrittsgeld wert war. Doch auch die Headliner der beiden folgenden Tage hatten es wahrlich in sich. Wer Rammstein in das Zentrum seiner Aufmerksamkeit gestellt und an Kiss zunächst nicht all zu viele Gedanken verschwendet hat, durfte sich am Samstagabend von der häufig kreischenden Stimme von Paul Stanley alias „The Starchild“ wachrütteln lassen. Nachdem die maskierten Rockurgesteine zu Beginn viele Songs von ihrer neuen Platte „Sonic Boom“ zum Besten gaben, gingen sie in der zweiten Hälfte ihres Auftrittes einige Jahre in ihrer unendlich lang erscheinenden Bandgeschichte zurück und gruben alte Klassiker aus, mit denen sie ihren Zuhörern aller Altersklassen sichtlich Freude bereiteten. Im Rückblick dürfte Kiss wohl einen der besten und zudem schönsten Auftritte des ganzen Festivals abgeliefert haben. Als beeindruckende Konkurrenz stellte sich jedoch auch der vierte große Headliner des Festivals heraus. Vor noch nicht allzu langer Zeit auf Festivals lediglich in den mittleren Kategorien eingereiht, wurde Muse bei Rock im Park 2010 in der obersten Reihe und fettgedruckt auf dem Flyer positioniert. Beinahe selbstredend machte die britische Rockband ihrem Headlinerstatus auch alle Ehre und lieferte ein optisch ebenso wie musikalisch einwandfreie Show ab, die sich – trotz, oder vielleicht gerade auch wegen eines aufkommenden Sturms - als überaus würdiger Abschluss eines voluminösen und ansonsten sonnengeladenes Festivals präsentierte.
Abseits vom Rockpalast
Dass Rock im Park jedoch nicht nur für rockige Klänge ein offenes Ohr hat, sondern gut und gerne auch rechts und links der Rockgeraden Ausschau hält, konnte man bereits im Vorfeld dem abwechslungsreichen Line-Up entnehmen. So durften sich die Festivalbesucher am Freitag, noch lange bevor bei Rammstein richtig abgerockt werden konnte, unter anderem von der Hip-Hop-Größe Dizzee Rascal, von der Folk-Punk-Band Gogol Bordello oder den unschlagbar freakigen Crystal Castles musikalisch verwöhnen lassen. Vor allem Letzteres stellt sich als absolut sehenswerter Act heraus. Alice Glass, Frontfrau der kanadischen Elektroband, beeindruckte auf der Clubstage mit einem ausgefallen wilden Auftritt. Bei absoluter Dunkelheit robbte sie sich auf die Bühne, um anschließend ihrem Ruf als passionierter Schreihals vollauf gerecht zu werden. Ebenfalls abseits der Rockschiene durften zudem Jay-Z, Cypress Hill und Gentlemen auftreten. Dass solche Genrewechsel bei den Rock im Park-Besuchern durchaus gut ankommen, stellte sich bei nahezu all diesen Konzerten heraus. Gut besucht und mit ausgelassener Stimmung wurde vor allem der Auftritt von Jay-Z ordentlich gefeiert. Selbst Ehefrau und Ausnahmekünstlerin Beyoncé war mit angereist, hielt sich jedoch dezent hinter der Bühne auf, um ihren Gatten den großen Auftritt auf der Centerstage im Alleingang genießen zu lassen.
Kathrin Lang
Musicsection.de
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