Bereits seit vielen Jahren gilt Rock im Park als eine der Hauptadressen für das Zusammentreffen der Rock-Szene. Wer große Bands, fantastische Künstler und die Crème de la Crème des internationalen Rocks erleben möchte, ist mit dem Erwerb eines Dreitagespass für das Musikfestival auf dem Nürnberger Zeppelinfeld eigentlich immer gut bedient. Im direkten Vergleich zum bombastischen „15 Jahre Geburtstags“-Line-Up des vergangenen Jahres, konnte der Spielplan von 2011 zwar nicht ganz mithalten, hielt aber dennoch seine fraglosen Highlights für die rund 55.000 Festivalbesucher bereit.

Das erste Festivalhighlight war eines, das man sich nicht kaufen kann: Wohlfühltemperaturen, die bei prallem Sonnenschein genossen werden konnten. Der Wettergott meinte es mit den Festivalgängern in diesem Jahr besonders gut: Gleich zwei Schlechtwetterfronten ließ er knapp vor den Toren zum Zeppelinfeld vorbeiziehen. Erst am späten Abend des letzten Tages ergossen sich die finster vor dem Festivalgelände lauernden Wolken über der Festivalgemeinde. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte der dritte Headliner Kings of Leon die Menge bereits mit seinem Auftritt beglückt. Großer Verlierer war da nur noch der letzte Topact auf der Alternastage. Aufgrund wolkenbruchartiger Regenfällt musste Deadmau5 seinen Auftritt abbrechen. Davor lag jedoch dreitägiger Sonnenschein, der bei abwechslungsreichem Line-Up musikalisch zelebriert werden konnte.
Dass Rock im Park nicht nur für Rockmusik steht, sondern von Jahr zu Jahr mehr auf einen genreübergreifenden Musikmix setzt, wurde vor allem am ersten Festivaltag auf der Centerstage offensichtlich. Die Sounds, die von der Hauptbühne am Freitag über die Menge schallten, gestalteten sich überraschend soft. Obwohl Pogo ebenso wie Headbangen zu harten Gitarrenriffs und Drum Beats ausfiel, genoss man die unaufgeregte Atmosphäre, die von Hurts angestoßen, schließlich bei The Kooks ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Den rockigen Tiefpunkt erreichte der Freitagabend auf der Centerstage mit den Söhne Mannheims, die letztlich doch etwas deplatziert im Rockfestivalspielplan auftraten. Immerhin konnte man währenddessen in aller Ruhe damit beginnen dem ersten Headlinder des Festivals entgegenfiebern. Zur späteren Abendstunden lieferten Coldplay, nach langer Konzertpause, einen musikalisch beeindruckenden Auftrifft ab. Während Frontsänger Chris Martin nicht nur mit stimmlicher, sondern auch mit instrumentaler Brillanz überzeugte, eröffnete sich der Festivalmenge vor der Bühne ein wahrer Augenschmaus. Feuerwerkskörper explodierten weit über den Köpfen der Zuhörer, während verschiedene Laser bezaubernd die Dunkelheit durchbrachen. Während der optische Höhepunkt schon lange erreicht war, steuerten die Briten zunehmend auch auf den musikalischen zu. Erreicht wurde dieser mit Chris Martins Klaviereinlage zu dem gefühlvoll dargebotenen Song „The Scientist“. Die Songauswahl gestaltete sich überraschenderweise jedoch nicht nur als Best-of aller Erfolg der vergangenen Jahre, sondern hielt neben Altbekanntem auch einige neue Lieder bereit, die ein erneutes Aufstreben der britischen Pop-Rock-Band erwarten lassen.

Während man auf der Centerstage am eigentlichen Festivalmotto vorbeikuschelte, boten sich auf den beiden anderen Festivalbühnen rockige Alternativen für Freunde der wilderen Töne. Während auf der Alternastage zunächst Disturbed und Korn gewohnt souverän anheizten, beglückte schließlich der wahrlich selten live auftretende Rob Zombie die harten Festivalrockerherzen mit seinem Late Night Special-Konzert. Währenddessen hieß es auf der Club Stage: Manege frei für die Zirkusband Bonaparte. Mit gewohnt ausgefallener Bühnenperformance präsentierte sich Tobias „Bonaparte“ Jundt mitsamt seinen extravaganten Anhängseln und frivolen Mädchen in kreativem Kostümdesign von einer gewohnt originellen Seite. Der genreübergreifende Sound und die ausgefallenen Textzeilen gehen den Zuschauern auch bei Rock im Park schnell in Mark und Bein über. Bald schon kennt man auf die obligatorische Frage „Do you want to Party?“ nur eine Antwort und feierte eine der abgefahrensten Konzerte des gesamten Festivals mit viel Elan mit.
An den kommenden Tagen hielt der Rock schließlich aber auch auf der Centerstage Einzug. Als heimlicher Headliner lieferte Volbeat am Samstagnachmittag eines der ersten musikalischen Highlights auf der Hauptbühne ab. In Sachen harte Rockklänge gepaart mit verständlichen Vokals kann den Dänen so schnell keiner das Wasser reichen, was vom Publikum mit entsprechender Stimmung gewürdigt wurde. Da fällt es selbst den routinierten Berliner Beatsteaks nicht unbedingt leicht an das anzuknüpfen was Volbeat vorgelegt hat. Trotz altbekannten Interaktionen mit dem Publikum muss schließlich selbst Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß eingestehen: "Ihr seht mir zu gemütlich aus!" Alles andere als gemütlich, im rein positiven Sinn, wurde es schließlich mit dem heißerwarteten Auftritt des zweiten Headliners: System of a Down. Mit musikalisch einwandfrei dargebotenem Auftritt meldete sich die amerikanische Alternative-Metal-Band nach fünfjähriger Tourneepause in Europa wieder am Rockhimmel zurück. Selbst wenn Leadsänger Serj Tankian mit leicht lockigem Kurzhaarschnitt und ordentlich weißem Hemd rein optisch nicht mehr viel mit einem waschechten Rocker gemein hat, liefert er zusammen mit seinen drei Bandkollegen doch eine von der ersten Minute an starke Performance ab, die über 15 Jahre Bandgeschichte eindrucksvoll zusammenfasst.

Am letzten Festivaltag waren es schließlich wieder die kleiner im Spielplan platzierten Bands, die sich als Tageshighlights herauskristallisierten. Während auf der Centerstage bekannte Bands wie Social Distortion und Mandia Diao performten, lohnte sich währenddessen durchaus auch der Gang zur Alternastage. Offensichtlich mehr als glücklich über die Möglichkeit bei Rock im Park auftreten zu dürfen, strahlte Johannes Madsen, Frontmann der deutschen Rock-Brüder-Band, sein schönsten Sonnenscheinlächeln, während er mit den erfolgreichsten Hits der Band die Fans vor der Bühne beglückte. Nachdem die White Lies einen rein optisch langweilig, dafür musikalisch überzeugenden Auftritt hinlegten, wurde die Bühne im Anschluss für die Band Wolfmother eröffnet. Nachdem das Konzert der australische Rockband im Vorjahr abgesagt werden musste, fieberte man dem Auftritt in diesem Jahr gleich doppelt so stark entgegen. Enttäuscht wurde da niemand: Obwohl Leadsänger und Gitarrist Andrew Stockdale innerhalb der letzten Jahre die alten Bandmitglieder gegen neue ausgetauscht hat, liefert die nun derweilen vierköpfige Band mit vollem Einsatz einen Auftritt ab, bei dem kaum ein Bein vor der Bühne mehr ruhig stand.
Nach drei schönen Festivaltagen auf dem Nürnberger Zeppelinfeld darf am Ende natürlich Eines nicht fehlen: der Ausblick und die Vorfreude auf das kommende Jahr. Mit den Toten Hosen steht bereits jetzt der erste Headliner für Rock im Park 2012 fettgedruckt auf den Flyern. Für den Veranstalter Grund genug den Kartenvorverkauf direkt zu starten. Frühbucher können sich schon heute ein Ticket zum Vorzugspreis sichern und sich damit guten Gewissens bis zum nächsten Jahr verabschieden. Wiedersehen macht eben Freude!

Kathrin Lang
Musicsection.de
















Short-View BONAPARTE































Short-View WOLFMOTHER































Short-View MADSEN































Short-View DISTURBED

















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